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Buchtipp: Warum ich fühle, was du fühlst von Joachim Bauer (2005)
Wie kommt es, dass uns ein Gähnen anstecken kann, dass sich unsere Stimmung bessert, wenn uns jemand anlächelt,
und dass wir manchmal auch über große Entfernungen wissen, wie es einem uns nahe stehenden Menschen geht?
Intuition und "sechster Sinn": Das sind nur zwei der Phänomene, die durch die Entdeckung der "Spiegelneurone"
erklärt werden können. Diese besonderen Nervenzellen haben es in sich, denn sie bilden die neurobiologische
Basis für unser intuitives Verständnis dessen, was andere Menschen fühlen – und was sie vorhaben. Und sie
beeinflussen uns massiv, sowohl psychisch als auch körperlich.
In zahlreichen Studien konnte mittlerweile nachgewiesen werden, wie diese Spiegelneurone arbeiten. So hat sich
herausgestellt, dass bei der Beobachtung einer Handlung eines anderen Menschen bei uns genau dasselbe
neurobiologische Programm aktiviert wird, das auch tätig wird, wenn wir diese Handlung selbst ausführen! Und
nicht nur das: Schon das Beobachten von Teilen einer Handlungssequenz, oft ein einfaches Geräusch, genügt,
damit wir “wissen”, wie es weitergeht. Da die Handlungssequenzen, die wir gespeichert haben, auf unserer
individuellen Erfahrung basieren, sind unsere Voraussagen nicht immer richtig – aber meist treffen sie eben
doch zu. Und da wir auf diese Weise nicht nur Handlungen nachvollziehen können, sondern auch Empfindungen,
ermöglichen unsere Spiegelnervenzellen auch Intuition und Mitgefühl.
Als Menschen sind wir angewiesen auf Spiegelungen, und zwar körperlich und psychisch. Die dramatischen
Auswirkungen von Mobbing und anderen Formen sozialer Isolation machen das deutlich, und auch die Möglichkeiten
der Psychotherapie erweitern sich angesichts der Erkenntnisse über Spiegelneurone. Joachim Bauer erklärt diese
bahnbrechenden neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse verständlich und ausführlich.
Ausgewählte neurobiologische Erkenntnisse
Das Gehirn entwickelt sich ständig: Neuronale Verbindungen werden durch Nutzung von "Trampelpfaden zu
Autobahnen". Nur nicht genutzte Verbindungen degenerieren.
Sowohl reale als auch erinnerte und nur vorgestellte psychisch belastende Ereignisse führen zu einer
Störung des emotionalen Gleichgewichts und damit zur sog. Stressreaktion. Stresssituationen, die subjektiv
als lösbare Herausforderung erlebt werden, führen zur Herausbildung/Stärkung der hierfür genutzten
Nervenverbindungen und damit mittelfristig zu einer Automatisierung der erfolgreichen Reaktion. Subjektiv
als unkontrollierbar erlebte Ereignisse führen zur sog. unkontrollierten Stressreaktion und als Folge der
dauerhaft erhöhten Kortisolausschüttung werden u.a. vorhandenen Bahnungen destabilisiert.
Quelle: Dr. Gerald Huether "Neurobiologische Erkenntnisse und
ihre Nutzung in der Psychotherapie", Vortrag 2004
Wahrnehmungsprozeß - Ergebnisse der Hirnforschung
Unentwegt wird das Gehirn von einer unvorstellbar großen Menge von Daten geflutet, vieles davon ist sinnlos,
vieles widersprüchlich. Nun gilt es zu entscheiden: Was von all diesen Informationen ist wirklich bedeutsam?
Welche der Daten gehören zusammen, welche widersprechen sich? Aufgabe des Hippokampus ist es, aus der Fülle
möglicher Deutungen, die ihm das Hirn vorschlägt, die plausibelste auszuwählen. Dazu wird in dieser
Hirnstruktur unentwegt das Wahrgenommene mit dem Erwarteten verglichen; was allzu ungewöhnlich scheint,
wird schlicht verworfen.
Im Alltag ist diese Fähigkeit von höchster Wichtigkeit: Aus dem Krach, der in jeder Kneipe das Ohr bestürmt,
lassen sich nur dann sinnvolle Sätze des Tischnachbarn herausfiltern, wenn der Großteil aus Wortfetzen erahnt,
unentwegt Hypothesen über das Gesagte ent- und blitzschnell wieder verworfen werden, bis schließlich die
plausibelste aller erwogenen Varianten als die vermeintlich eindeutig Gehörte ins Bewusstsein dringt. Ohne
die Zensur im Hippokampus würde der Mensch orientierungslos in einem sinnlosen Meer von Daten trudeln.
So wichtig jedoch der Plausibilitätsfilter sein mag, so schränkt er doch die Weltsicht ein. Scheuklappen
gleich lenkt er den Blick auf das als wesentlich Erkannte. Was rechts und links liegt, bleibt unbeachtet.
Wenn dieser Filter zu streng filtert, dann erfährt man nur, was man ohnehin schon weiß.
Quelle: Der Spiegel, Nr. 21/2002
Gedächtnis & Erinnerungen
Das Gedächtnis besitzt eine so genannte kreativ-konstruktive Fähigkeit, d.h. es verändert Erinnerungen und
erfindet hinzu.
Erinnerungen sind Selbst-definierend, d.h unser Gedächtnis erinnert so, dass es zu unserer Identität passt.
Erinnerungen beginnen i.d.R. mit dem 3-4 Lebensjahr. Kindheitserinnerungen gehen zu einem großen Teil
während der Adoleszenz verloren, da sie dann nicht mehr so identitätsrelevant sind.
Gut erinnert werden: was zum ersten Mal passiert, was einem Muster entspricht, einzigartige Erlebnisse,
Wendepunkte im Leben (Krisen), folgenreiche und emotional betonte Erlebnisse.
Quelle: Prof. Dr. Verena Kast, "Selbstwert und Identität"
Vorlesung Uni Zürich, WS 1998/99
Zur Wirksamkeit der Hypnotherapie / klinischen Hypnose
Es liegen zahlreiche Untersuchungen vor, die die Wirksamkeit von Hypnotherapie im Sinne der Kriterien des
wissenschaftlichen Beirats der Psychotherapie zu belegen. Bei verschiedenen Ängsten, bei Somatisierungsstörungen
und dissoziativen Störungen, bei Schlafstörungen und bei Abhängigkeiten ist klinische Hypnose indiziert. Bei
Anpassungsstörungen im Sinne der Bewältigung somatischer Krankheiten, insbesondere Schmerz, weist die
Hypnotherapie ebenfalls eine hohe Wirksamkeit auf.
Für posttraumatische und andere Belastungsreaktionen ist die Wirksamkeit noch nicht wissenschaftlich bewiesen,
obwohl Hypnose hier viele Möglichkeiten zur Behandlung bietet. Insgesamt kann gesagt werden, daß Hypnotherapie
/ klinische Hypnose als ein wirksames Verfahren in vielfältigen Bereichen psychischer und somatischer
Krankheiten gelten kann.
Für eine ausführliche Darstellung siehe
http://www.meg-hypnose.de
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