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NLP & Hypnose bei Prüfungsangst / Redeangst
Von Dr. Maren Franz
Wenn Frau X nur an die bevorstehende Präsentation vor der Geschäftsführung denkt wird ihr flau im Magen.
Neulich war sie sogar so schrecklich aufgeregt, dass ihr plötzlich die Stimme versagte. Manchmal denkt sie
sogar darüber nach, sich vielleicht auf eine andere Stelle - ohne Präsentationen - zu bewerben. Herr Y bekommt
mit Mühe nur zwei Sätze heraus, wenn er auf Familien- oder Betriebsfeiern reden soll. Wenn es irgendwie geht,
versucht er deshalb, solche Situationen zu vermeiden. Vor jeder Prüfung ist die Studentin Z so unruhig, dass
sie nicht schlafen kann, morgens ist ihr übel und in den Prüfungen hat sie immer öfter Blackouts. Prüfungsangst
und Redeangst - insbesondere vor Gruppen - sind Fälle, die im Alltag und damit auch in der Coachingpraxis recht
häufig vorkommen - viel häufiger als die Betroffenen selber denken.
Wieso "versagen" diese Menschen in diesen Situationen, obwohl sie fachlich gut vorbereit sind und auch sonst
keinerlei Probleme haben? Was passiert mit ihnen?
Die neurobiologischen Forschung weiß heute, dass die betroffenen Personen (oftmals) eine traumatische Erfahrung
erlebt haben, die mit einer sogenannten unkontrollierbaren Stressreaktion (sie waren also hilflos) einherging, die
ihre "Spuren" im Nervensystem hinterlassen hat. Die Spuren dieser "Mini-Traumata" führen dazu, dass durch
vergleichbare Ereignisse die traumatische Situation quasi wieder wachgerufen wird und sie körperlich automatisch
ähnlich reagieren wie damals.
Dabei ist diese Erinnerung sehr oft unbewusst und wird häufig erst im Coaching wieder bewusst erinnert. Bei
Redeangst z.B. findet man oft Ursprungserlebnisse, bei denen der Betroffenen von seinem Lehrer vor der ganzen
Klasse bloßgestellt wurde, als er ein Referat vortrug.
Diese traumatische Erfahrung - die sehr oft in der Kindheit liegt - erklärt auch das Phänomen, dass sich
Betroffene in aktuellen, angstbesetzten Situationen häufig wie ein "kleines, dummes, hilfloses Kind" oder auch
einfach nur "klein" fühlen.
Die heutigen Auslöser für Stressreaktion sind so harmlos wie vielfältig: ein Rednerpult, ein kritischer Blick,
ein aggressiver Tonfall, eine Tafel, eine Ansammlung von Stühlen und Tischen, die wie früher in der Schule
stehen. Die Fähigkeiten zum Umgang mit stressigen Situationen, die die Betroffenen heute als Erwachsene
eigentlich haben, sind dann wie abgeschnitten, sie kommen nicht an sie heran.
Die neurobiologische Forschung hat inzwischen gezeigt, dass sowohl reale als auch erinnerte und nur vorgestellte
psychisch belastende Ereignisse dazu führen, dass die sog. Stressreaktion ausgelöst wird.
Wird eine angstbesetzte Situation über Jahre immer wieder neu erlebt oder imaginiert, so können sich unangenehme
oder traumatische Erfahrung verstärken, da die neuronalen Spuren immer wieder reaktiviert werden. Gerald Huether,
ein bekannter Neurobiologe, vergleicht Nervenbahnen mit dem anschaulichen Bild eines Straßennetzes. Durch die
wiederholte Benutzung bestimmter Bahnungen - also durch das mehrmalige Wiedererleben - wird aus Trampelpfaden
eine breite Straße. Bei Nichtnutzung degenerieren die Nervenverbindungen, die Straße verfällt wieder.
Alle Emotionen - egal ob Angst oder Glück - entstehen im limbischen System unseres Gehirns. Hier werden unsere
Sinneseindrücke zunächst "verarbeitet", bevor sie an den "denkenden Bereich" unseres Gehirns weitergeleitet
werden. Dies hat zur Folge, dass wir erst fühlen und danach denken. Im Falle von unkontrollierten Stressreaktionen
wird das Denken jedoch durch die ausgeschütteten Stresshormone blockiert und die Betroffenen fühlen sich hilflos
oder erleben einen Blackout.
Neben den Ursprungserlebnissen gibt es oft eine weitere, das Problem verschärfende, Ursache für solche
Stressreaktionen: psychosoziale Konflikte oder zu hoch gesteckte Ziele. Diese hohen Ansprüche äußern sich
dann oft durch irrationale Gedanken wie beispielsweise: "Ich muss es perfekt machen".
Die bewusste Anstrengung, das Problem in den Griff zu kriegen, sich irgendwie "zusammenzureißen", gelingt selten
und ist oft eher kontraproduktiv, da man sich dabei zu sehr auf das Angstmachende fokussiert und diese
Überaufmerksamkeit verstärkt dann das Problem.
Im Coaching nutzt es i.d.R. nichts, einfach nur über das Problem zu reden. Damit wird häufig nur die
Stresserfahrung wieder reaktiviert ohne dass sich durch das Reden emotional etwas verändert.
Dass in diesen Fällen Coachingmethoden aus dem NLP und der Hypnotherapie oft überraschend gut helfen, liegt daran,
dass sie die Ursprungssituation und die ängstigenden Gegenwartssituationen emotional neu positiv erleben lassen.
Durch dieses Neuerleben, entstehen dann neue Nervenbahnungen, die eine andere Reaktion in den ehemals
angstbesetzten Situationen ermöglichen. Hierbei kommt die oben bereits erwähnte Tatsache, dass auch imaginierte
Situationen neurobiologische Spuren hinterlassen, zum Tragen.
Die Anwendung von "Imagination als heilsame Kraft" in der psychotherapeutischen Behandlung schwer traumatisierter
Menschen wird von der Ärztin Luise Reddemann in ihrem gleichnamigen Buch eindrucksvoll beschrieben.
Im folgenden möchte ich noch kurz je eine Coaching-"Technik" aus dem NLP und der Hypnotherapie, die sich sehr gut
ergänzen, vorstellen.
Bei der NLP-Technik "Change-History" (Veränderung der persönlichen Geschichte) wird die aktuelle angstbesetzte
Situation noch einmal vorgestellt (sie kann ggf vorher mit EMDR entschärft werden) und der Klient begibt sich -
in einer leichten Trance - auf die innere Suche, woher er dieses Angstgefühl kennt. I.d.R. erinnert er sich dann
an ein sehr unschönes Kindheitserlebnis. Dieses Ursprungserlebnis - genau genommen die Erinnerung daran - wird
nun verändert, indem der Erwachsene sich vorstellt (imaginiert), dass er dem verängstigten Kind Hilfe gibt -
soviel, dass das Kind mit dem Ursprungserlebnis stressfrei umgehen kann, statt hilflos zu erstarren. Diese
Imagination verändert das emotionale Erleben der Ursprungssituation und damit auch die Erinnerung daran. Im
Idealfall wird damit auch der Auslöser für heutigen Streß "neutralisiert", so dass man sich in der ehemals
angstbesetzten Situation wie ein erwachsener Mensch fühlt und entsprechend kompetent verhalten kann.
Im Anschluß an diese Bearbeitung des Ursprungserlebnisses, kann man dann in einer weiteren Sitzung sehr gut eine
Technik aus der Hypnotherapie anwenden. Vereinfacht gesprochen wird dabei - in leichter Trance - imaginiert wie
man zukünftige - ehemals angstbesetzte - Situationen erfolgreich meistert. Diese Technik ist auch allgemein zur
Vorbereitung auf schwierige Situationen sehr gut geeignet.
Spitzensportler nutzen ähnliche Imaginationstechniken zur Leistungssteigerung, indem sie sich plastisch
vorstellen, wie sie z.B. ein perfektes Ass schlagen oder den Idealen Hochsprung hinbekommen.
Die oben vorgestellten Techniken gegen Prüfungsangst und Redeangst werden übrigens in meiner
NLP-Practitionerausbildung in Hamburg, neben geeigneten Selbstmanagement-Techniken, vorgestellt und geübt.
© 2005, Dr. Maren Franz
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